Abtei Sankt Bonifaz

Abtei Sankt Bonifaz

Das Kloster Andechs ist das Wirtschaftsgut der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München. Die Abtei Sankt Bonifaz in München und Andechs bildet ein Kloster an zwei Orten. Mit seinen Wirtschaftsbetrieben ermöglicht das Kloster Andechs das pastorale, wissenschaftliche und soziale Engagement der Mönche in Sankt Bonifaz.

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GESCHICHTE

Aus heutiger Sicht erscheint es ungewöhnlich, dass ein Kloster Bier braut. Mit einem Blick in die Geschichte der Klöster ist die Erklärung jedoch einfacher.

Bierbrauen gehörte früher, ebenso wie z.B. auch das Backen von Brot, zu den alltäglichen Aufgaben im Haushalt. Dies trifft vor allem auf die eher ländlich geprägten Kulturräume Süddeutschlands zu. Man braute Bier für die Eigenversorgung zu Hause oder gemeinsam in den „Kommunbrauhäusern“ seines Dorfes.

Quelle: Sankt Michaelsbund / TV Bayern* live

Letztere existieren zum Teil heute noch, gerade in Franken und der Oberpfalz. Auch eine klösterliche Gemeinschaft ist in ökonomischer Hinsicht ein großer, gemeinschaftlicher Haushalt. Somit lag es nahe, dass die Mönche in den Klöstern auch Bier für den Eigenbedarf brauten. Es ist gut möglich, dass die sieben Benediktiner, die 1455 anlässlich der Klostergründung von Tegernsee nach Andechs übersiedelten, schon umfassende Kenntnisse des Brauwesens mitgebracht haben.


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Klösterliche Bierkultur

Schon immer haben Mönche die christliche Gastfreundschaft gepflegt. Der heilige Benedikt bringt diese alte Tradition der Klöster auf den Punkt. Er schreibt im 53. Kapitel seiner Ordensregel: „Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: ‚Ich war fremd, und Ihr habt mich aufgenommen’.“ (vgl. Mt 25,35). So kamen die Gäste des Klosters auch in den Genuss des Klosterbieres. Ein eindrucksvolles Beispiel für klösterliche Bierkultur war das Benediktinerkloster in Sankt Gallen. Von diesem berühmten Ort existiert noch ein alter Plan, der als idealtypisch für ein mittelalterliches Kloster gilt. Er ist jedoch offenbar nie vollständig realisiert worden. In diesem Plan sind allein drei verschiedene Brauereien eingezeichnet. In jeder dieser Brauereien wurde ein anderes Bier eingebraut – man hatte so drei verschiedene Bierqualitäten zur Verfügung: ein einfaches, dünneres Bier für Arme, Pilger und Gäste, ein normal eingebrautes Bier für die Mönche und ein besonders starkes Bier für Äbte und hochgestellte Gäste. Offenbar war der Qualitätsbegriff von Bier zu dieser Zeit eng mit dessen Stärke verbunden. Je mehr Alkohol, desto besser das Bier. Im Laufe der Zeit hat sich dieser Geschmack verändert.


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Klösterliche Qualität - erwachsen aus jahrhundertealter Erfahrung

Im Gegensatz zu den häuslichen Bierbrauern waren brauende Mönche die ersten „Profis“ ihrer Zunft. Sie konnten sich meist ausschließlich mit dem Brauhandwerk beschäftigen. Sie brauten teilweise täglich und gewannen so mehr Erfahrung und Fertigkeiten, als zum Beispiel ein Bauer, der nur alle vier Wochen im Kommunbrauhaus sein Bier siedete.
Schreiben und Lesen konnten im Mittelalter - von wenigen Ausnahmen abgesehen – vornehmlich Mönche. Ihre Beobachtungen und Erfahrungen beim Brauen schrieben sie nieder und gaben sie auch an andere Klöster weiter. Aus Erfahrung wuchs Wissen und so legten Mönche die Grundlagen für die moderne und rationelle Lebensmittelherstellung. Denn was für Bier gilt, gilt auch für eine Vielzahl anderer klösterlicher Produkte wie Brot, Käse, Wurst und Spirituosen. Die Benediktiner haben so die Produktion von Lebensmitteln und insbesondere die Brautradition über die Jahrhunderte fortgeführt und die Kunst des Brauens sowie die Rezepturen gepflegt und ständig verfeinert. So wurde Bier also schon im Mittelalter in Andechs gebraut, mit großer Wahrscheinlichkeit nachdem der Wittelsbacher Herzog Albrecht III. 1455 die Benediktinerabtei auf dem Andechser Berg gründete.

Lesen Sie hier mehr über die Erweiterung unseres Gär- und Lagerkellers und über die Erneuerung des Sudhauses.

Die Klosterbrauerei als Teil des Wirtschaftsgut der Abtei Sankt Bonifaz in München

Herausragende Cellerare prägen das Kloster Andechs seither, vor allem seit es im Jahr 1850 Wirtschaftsgut der Abtei Sankt Bonifaz in München wurde. Wie kein anderer drückt Pater Magnus Sattler (+1901) der Ökonomie seinen Stempel auf. Kloster- und Wirtschaftsgebäude modernisiert er und legt den Grundstein für die erfolgreiche Fortentwicklung der Ökonomie. 1871 lässt Pater Magnus die Brauerei auf Dampfbetrieb umstellen. 1893 werden Fassstadel und Lagerhalle, 1894 das Sudhaus erneuert. Unter Pater Augustin Engl (Prior 1900-24) und Pater Maurus Rath (Prior 1924-52) entsteht u.a. 1906 die Mälzerei. 1925 und 1958 folgen neue Füllereianlagen. 1968 schließt die Mälzerei und Bruder Oswald Eser, der letzte Brauer aus dem Andechser Konvent, geht in den Ruhestand.
Die Brauerei leidet zudem unter Platzmangel am Hl. Berg. So steht die Abtei vor der Frage, die Brauerei entweder zu schließen oder einen Neubau zu wagen. Ein risikobereiter Konvent und die Weitsicht von Pater Daniel Gerritzen (Cellerar 1968-86; Prior 1976-82) schaffen der Klosterbrauerei durch einen Neubau (1972-84) unterhalb des Heiligen Berges Raum zur Fortentwicklung. Nach dem Füllereigebäude 1974 geht 1984 das Sudhaus mit Gär- und Lagerkeller in Betrieb. Pater Anselm Bilgri (Cellerar 1986-2004; Prior 1994-2004) baut den Vertrieb aus. 1990/91 wird die Flaschenfüllerei erneuert. Seit 1993 und 1997 werden auf Anregung von Abt Odilo Lechner helles bzw. dunkles Weißbier gebraut.

Gegenwart

Der Entscheidung zum Neubau der Brauerei in den 70er und 80er Jahren liegt nicht zuletzt das Wissen um die soziale Verantwortung zugrunde, denn mit dem Erhalt der Klosterbrauerei konnte der Konvent wichtige Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen. Seit dieser Zeit werden alle technischen Brauanlagen konsequent erneuert und den Erkenntnissen der modernen Brauwissenschaft angepasst. Diese langfristig ausgerichtete Investitionspolitik des Klosters schafft ein gutes Arbeitsumfeld, garantiert eine hohe Bierqualität und wirkt sich positiv auf unsere Umwelt aus. So erfolgt im Dezember 2006 die erneute Zertifizierung der Klosterbrauerei Andechs gemäß EU Öko Audit.